Permakultur Landwirtschaft

Perma…was?

Permaculture ist ursprünglich ein Zusammenzug von “permanent” und “agriculture”. Im Australien der späten 1970er Jahre haben Bill Mollison und sein Student David Holmgren den Begriff geprägt. Sie basiert auf der Ethik von earth care, people care, fair share, was sich grob mit den heutigen ESG deckt.

Im Verlauf der Zeit hat sich Permakultur in eine globale grass-roots Bewegung verwandelt, in der vorwiegend nachhaltiges Gärtnern gelehrt und praktiziert wurde. Permakultur hat sich diversifiziert und ihre Prinzipien und frameworks fanden zunehmend auch Eingang in Feldern wie Architektur, Gemeinschaftsorganisation oder Pädagogik.

Heute ist die Permakultur auch wieder in der Landwirtschaft angekommen, also da wo sie vor über 40 Jahren begonnen hat. Mit der Rückkehr in die Landwirtschaft, ist auch das Interesse der Akademik an Permakultur wieder gewachsen. So wird an der HAFL in Zollikofen Bern und an der ZHAW Wädenswil, am FIBL in Morges und an anderen Standorten in der Schweiz zu Permakultur geforscht und gelehrt.


Permakultur Landwirtschaft

Was unterscheidet die Permakultur-Landwirtschaft also nun von anderen modernen, agrarökologischen Anbaustrategien?

Der Unterschied besteht darin, dass die Permakultur-Landwirtschaft in erster Linie eine ausgeklügelte Planung des Gesamtbetriebs ist. Das Permakultur Design Vorgehen gibt den Landwirt:innen die Möglichkeit triple bottom line auf allen Ebenen ihres Betriebes anzuwenden. In der Planung:

  • der Bewirtschaftung des Bodens

  • der finanziellen Strukturierung

  • der Arbeit und des Zusammenlebens

  • der Energieversorgung u.a.

Diese unterschiedlichen Betriebsdimensionen greifen stark in einander ein. Die Planung beginnt an der Makroebene und wird im weiteren Verlauf der Zeit bis in die Mikroebenen ausgestaltet. Dabei wirken verschiedene Prinzipien unterstützend, um eine smarte Planung zu erhalten, die sich mit dem Hof weiterentwickelt.


  • from pattern to detail: erst das Grundgerüst gestalten, dann die Details

  • observe and interact: sich Zeit nehmen, um die Systeme in ihren Funktionsweisen kennenzulernen

  • obtain a yield: Arbeiten müssen einen Ertrag erzielen, wobei der Begriff von Ertrag oder Kapital alles umfasst, was dem triple bottom line dient u.a.

Da die Betriebe meistens schon existieren, werden Bestandsaufnahmen gemacht, Zusammenhänge und Beziehungen zwischen verschiedenen Betriebszweigen erkundet und zuerst bewusst bestimmte, zentrale Elemente weiterentwickelt, die weniger zentralen Elemente folgen nach. Manchmal werden auch am Rand des Betriebs Experimentierflächen angelegt, die bei Erfolg ausgeweitet werden. Auf der Ebene des Anbaus werden möglichst standortangepasste Methoden verwendet, welche sich aus der allgemeinen agrarökologischen Perspektive bewähren.

Ausblick

Die Geschichte der Landwirtschaft in der Schweiz und die Regulierungen sind komplex. Trotz starker Lenkung durch Direktzahlungen und Importkontingenten, kämpfen viele Betriebe ums Überleben. Trotz ökologischer Ausgleichsflächen und neuen Anbaumethoden verschlechtert sich die ökologische Situation aufgrund von Ressourcenverschleiss und Artensterben. Gesunde, lokal produzierte Lebensmittel sind nur für einen Teil der Bevölkerung erschwinglich und die Beziehung zwischen Konsument:innen und Produzent:innen ist oft entfremdet.

Hier kann die Permakultur-Landwirtschaft eine neue Resilienz hervorbringen. Sie kann für die Region angepasste Kulturen und Konzepte erarbeiten und ergänzt diese mit hoch-personalisierten Lösungen für jeden Betrieb auf der Basis von earth care, people care, future care.
















Abb 1: BioDiVerger Forschungsraum Fibl Morges-Marcelin

(Forschungsinstitut für biologischen Landbau)


















Abb 2: vielfältiger peri-urbaner Gemüsebau in die Kunstwiese integriert und umrahmt von Hecken

und weiteren biodiversitätsfördernden Strukturen, Bächtelen Bern



ursprünglich erschienen auf strategus.li/news/